Im Zentrum von Tim Ernsts Bildwelt steht
eine virtuose Heterogenität. Der Mix aus
Zitaten, bekannten Bildformeln, bizarren und
amüsanten Verfremdungen, ergibt ein
alchemistisches
Amalgam aus widerspenstigen
Substanzen, deren Zusammenfinden in einem
Werk, mehr über den kreativen Prozess des
Künstlers aussagen, als etwa ein Handbuch zur
Meditation im Theta-Wellenbereich. Erlebtes
und Gesehenes, Vergangenheit und Gegenwart,
Traum und Realität sind in einer so bruchlosen,
charmant f ließenden Weise verdichtet, dass
sich mitunter beim Betrachter der Eindruck
einstellt, einem Seelenspiegel gegenüberzustehen.
Eine typische Rezeptionserfahrung kann
wie folgt beschrieben werden: „Ich stand nun
schon circa drei Minuten vor einem großen Tim
Ernst-Gemälde. Eine ätherische Welt bemächtigte
sich mir. Der Ort, das Umfeld, die anderen
Besucher der Galerie verf lüchtigten sich aus
meiner Wahrnehmung, die von Ich- auf Es-
Fokussierung wechselte. Ich hatte das Gefühl in
bisher unbekannte, und doch in mir wohnende
archaische Persönlichkeitsaspekte abzutauchen.
Nach gefühlten 100 Minuten erwachte ich aus
diesem meditativen Zustand mit einem Grinsen
im Gesicht und dem Gefühl inneren Reichtums.
Mir wurde klar, dass ich nicht vor einem
x-beliebigen
zeitgenössischen Kunstwerk stand,
sondern
vor einem wahren Medium." Tim Ernsts
Arbeiten sind Traummaschinen mit höchster
therapeutischer Effizienz. Wir beantragen die
Aufnahme in die Liste der erstattungspf lichtigen
Heilmethoden.

Hansjörg Fröhlich



ernst

Tim Ernst
Zaungast, 2008
25 x 23,5 cm, Acryl und Öl auf Holz