„Wenn ich Wolken gewollt hätte, dann hätte ich
welche gemalt.“, sagt Michael Stolz. Alles viel
zu einfach. In zehn Worten die Welt erklären ist
nichts für ihn: Stolz wehrt sich gegen Einfachheit,
gegen rasche Konsumierbarkeit und vor allem
gegen das Konzept. 1983 in Stuttgart geboren,
verließ Stolz 2009 mit einem Diplom die
Kunstakademie Stuttgart, wo er unter Prof.
Volker Lehnert und Prof. Peter Chevalier freie
Malerei studiert hatte.
Künstlerisch findet er sich zwischen Malerei
und Radierung, zwischen fragilem Handwerk
und struktureller Farblehre, zwischen Säure und
Pinsel. Seine Malereien, großflächig und bunt,
unterscheiden sich nur auf den ersten Blick stark
von den kleinformatigen und in schwarzweiß
gehaltenen Radierungen. „Momentan ist es hier
noch zu früh für Farbe. Ich hab noch genug zu tun
mit Formsprache, Textur und Motivik.“, sagt er.
Wo große Malereien laut und plakativ durch den
Raum trampeln, schweben seine Radierungen
schüchtern aber auf klaren Wegen über den
Boden.
In ihnen werden Strukturen zu Figuren wo Ästhetik
Form findet. Stolz geht additiv vor: was einmal
in den Träger gekratzt ist, wird dort zur ewigen
Narbe. Das Konzeptuelle blendet er aus und sagt
trotzdem bestimmend, dass in seinem Werk nichts
zufällig passiert. Die Motivik gerät so an zweite
Stelle und versteckt sich leise hinter den Kufen
und Kratzern in der Kupferplatte. Das ist Stolz
aber auch ganz Recht, schließlich geht es nicht um
benennbare Himmelskörper.

Arnika Fürgut




stolz

Michael Stolz
Garden, 2009, 25 x 40 cm
Radierung (Vernis Mou, Aquatinta)