Als Trüffelschwein in seinem eigenen imaginären
Archiv aus Bildern, Zeichen, Worten
und Geräuschen ist der 1951 geborene Jürgen
Palmtag unterwegs. Er studierte in den siebziger
Jahren an der Hochschule der Bildenden Künste
Berlin und lebt heute in einer ehemaligen Fabrik
der Musikalienfirma Hohner in Schörzingen auf
der Schwäbischen Alb – passend zum Umstand,
dass Palmtag neben seiner zeichnerischen Arbeit
auch noch prima Akkordeon spielt und als
Soundtüftler im Bereich der zeitgenössischen
elektronischen Musik mit dem Hörstück
„SonderSaundernAnders“ bereits den Hörspielpreis
„Premiere im Netz“ der ARD gewann. Seine
zeichnerische Arbeit versteht sich als ein umformender
Verarbeitungsprozess des Erlebten und
als eine Untersuchung der Beziehung zwischen
Bezeichnung, Bezeichnetem und Wahrnehmen.
„Das Uneindeutige der offenen Form, Reiz/bzw.
Gefahr der Abschweifung, Raum für Zufall und
Störung“ – was Palmtag zu einem seiner Soundscapes
anmerkte, lässt sich auch auf seine zeichnerische
Arbeit übertragen. Es sind kleine Papierformate
oder riesige Wandmalereien, in denen
der Künstler Textfragmente, gefundene
Bildausschnitte und Fotografien zu Collagen
verarbeitet. Dabei bietet der Künstler keine
konkreten Botschaften an, sondern kommentiert
und reflektiert den Sprach- und Zeichenmüll der
Mediengesellschaft mit einem Augenzwinkern.

Charlie Tuerme




palmtag

Jürgen Palmtag
Trigger, 2009
Tusche auf Transparentpapier, 21 x 30 cm
Courtesy Galerie FGS, Karlsruhe