Der 1950 in Groß-Barnitz geborene Künstler hat
sich erst nach einem Studium des Rechts in Heidelberg
der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe
gewidmet. Lindau malt und zeichnet seine figurative
und assoziative Welt in vielen verschiedenen
Schichten von wilden Pinselstrichen und leuchtenden
Farben auf Papier, Leinwand, Holztüren,
Bettgestelle und Majolika. Im Farbstrudel dieses
bildnerischen Kosmos tauchen immer wieder alter
ego Gestalten auf, die sich der Künstler erschaffen
hat. Die Welt ist ein Rollenspiel, die Malerei ist sein
zuhause. Dort darf Lindau Lindau sein, dort ist er
König-Demiurg. Lindau ist ein Erschaffer-Künstler,
begabt mit dem Talent unablässig neue bildnerische
Universen zu erfinden und zum Leben
zu erwecken, auf seinem Meteor durchs Weltall an
allen Ismen unseres Planeten vorbei zu fliegen,
immer dicht an der Bildoberfläche entlang –von
innen gesehen, natürlich. Nichts geringeres als
der Mensch und sein irdisches, widersprüchliches
Leben beschäftigen den Künstler Lindau. Seine
Werke tragen alle eine unverwechselbare Handschrift
– und dabei sind nicht die immer deutlich
auf der Vorderseite prangende Signatur gemeint,
sondern die Übermalungen und Abtragungen,
die Streifen und Kleckse, die Kratzer in der nassen
Ölfarbe, die bemalten Bilderrahmen, die grotesk-
liebenswerten Figuren, wie die Blutküsser, verschlungen
im eigenen Lehm. Die Kunstreichsinsignien
– Szepter, Krone und Reichsapfel – die im
Schloss Leinzell ausgestellt werden, führen seinen
Signaturstil brandungslos in das für Lindau noch
frische Medium Skultpur über. Ob diese Insignien
dem Künstler oder dem Schlossherrn gelten, bleibt
dem Betrachter überlassen.





lindau
Uwe Lindau
Krone, Reichsapfel, Szepter
(aus der Serie Reichsinsignien) 2009
70 x 45 x 45 cm,
45 x 40 x 40 cm, 120 x 30 x 35 cm
Bronze, patiniert, Edition 3
Courtesy Galerie FGS, Karlsruhe