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Laut Beat Wyss gibt es genau zwei Typen von
Malern – solche die die Wahrnehmung gekonnt täuschen und solche die sie gezielt enttäuschen. Philipp Haager gehört weder zur einen noch zur anderen Gruppe, denn Täuschen und Enttäuschen gehören allenfalls theoretisch zu den angewandten künstlerischen Manöver seiner malerischen Bildfindungen. Seine zumeist großformatigen Gemälde entstehen in einem nahezu liebevollen Prozess der Akkumulation von Materie, durch Auftragen von Tusche auf Leinwand und die Subtraktion von Materie, durch gezieltes Abwaschen der Tusche mit immer wieder aufgesprühtem Wasser. Was übrig bleibt nach einem langen und konzentrierten Schaffensprozess sind Bilder wie z.B. „Witterungsgespinst“ (2006), das eine in weiß-grau-schwarze Farbigkeit getauchte Landschaft zeigt. Rauschend und wabernd durchdringen Sonnenstrahlen einzelne Wolken- und Nebelformationen, die währenddessen über bewaldete Täler ohne Namen zu tollen scheinen, wie Kinder, die eigentlich schon viel zu alt zum ausgelassenen Spielen sind. Diese Leichtigkeit ist seinen Bildern gemeinhin gleichermaßen eingeschrieben, wie ein tief empfundener Ernst. Ein Ernst, der nach dem Großen und Ganzen zu fragen scheint. Wahrscheinlich wird Haager deshalb verschiedentlich mit der Neo-Romantik in Verbindung gebracht und Caspar David Friedrich und William Turner als Referenz herbeizitiert. Könnte es sein, dass diese Vergleiche hinken? In seinem Atelier findet man eine Reihe unfertiger Bilder an den Wänden lehnen und leise in die eigens bereitgestellten Gefäße tropfen, als würden sie weinen oder ausbluten, wie geschlachtete Tiere, die an der Wand hängen. Vielmehr ist es jedoch Tusche, die in schwarzen, dicken Tropfen fortwährend aus dem Bild rinnt. Längere Trocknungsphasen bedingen die erneute Wässerung, ein Rhythmus, der das Wesen des Bildes genauso diktiert, wie Licht und Schatten, Verdichtung und Auflockerung. Dennoch können sie nur insofern als romantisch gelten, da sie eine Art Ideallandschaft zeigen – ein imaginiertes Arkadien, dass nach dem Gewitter seine Unschuld verloren zu haben scheint und sich seiner Unvollkommenheit mehr als bewusst ist. Haagers Bilder zeigen somit auf wundersame Art und Weise, was von einer untergegangenen Idee übrig geblieben ist. Frank-Thorsten Moll Leiter der Kunstabteilung, Zeppelin Museum Friedrichshafen |
![]() ![]() Philipp Haager aus der Serie Bonsai, je o.T., 2008/2009 Tusche auf Papier, 50 x 60 cm, gerahmt |