Als wandelnde Antithese zu sterilen künstlerischen
Vermarktungsstrategien gibt der 1961 in
Österreich geborene Rainer Ganahl unbekümmert
den durchgeknallten Anarcho-Künstler,
der mit Perumütze auf dem Kopf und Karl Marx‘
gesammelten Werken unter dem Arm durch die
Welt vagabundiert. Seine Website geriert sich
dabei ebenso unkonventionell wie ihr Schöpfer.
Über den Text eines Interviews hatte Ganahl
gerade noch Zeit „unedited - also unkorrigiert.. -
nicht einmal durchgelesen“ zu setzen, schon eilt
sein Geist zum nächsten Projekt. Seine Installationen,
Videos, Skulpturen und Collagen verweisen
über sieben Ecken auf alle möglichen Aspekte von
Historie und Gegenwart. Er liest gerne öffentlich
aus dem „Kapital“ und nimmt auch sonst kein
Blatt vor den Mund. In die konzeptionelle Ecke
möchte er sich trotz extrabreitem Arbeitsspektrum
nur im äußersten Notfall gedrängt wissen.
„Ich arbeite so wie ich denke, rede und schreibe:
mit offenen Türen, Toren, Flügeln, und
Deckeln“, erklärt er in einem Interview, das er auf
die Site stellte, ohne sich unnötige Gedanken über
Umlaute zu machen. Ganahl lehrt an der Kunstakademie
Stuttgart, lebt in New York und ist stets
irgendwo auf der Welt präsent und bei der Arbeit.
Ein Weltenstaubsauger, dessen künstlerischer
Ausstoß genussvoll den globalisierten Tempowahn
spiegelt.

Charlie Tuerme




Ganahl

Rainer Ganahl
T. W. Adorno, 2010, 80 x 70 cm, Holz