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Kerstin Dollhopf, 30, hat vor ihrem Studium
an der Kunstakademie Karlsruhe, Textildesign in Hof studiert. In ihrem Werk wimmelt es von Kasparen, Hampelmännern und anderen grotesken Figuren, die halbdeutlich, immer einer Ahnung gleich, die Bildfläche bevölkern. Nun hat sie die zentralen Motive aus ihren Arbeiten entfernt und beschreibt zeichnerisch deren sprechende Abwesenheit. Auf dem A4-Blatt Das Bett (2009, Mischtechnik) ist genau jene titelgebende Ruhestätte nicht vorhanden, einzig der Umriss eines solchen ist an der Tapete an der Wand zu erkennen. Tapeten, und die darauf befindlichen Spuren vormaligen Lebens und Einrichtens, sind für Dollhopf die Seele des Zimmers. Entsprechend bezeichnet sie ihre neuesten Arbeiten, auf denen immer zwei Wände, der Fussboden und, sehr prominent, die Tapeten zu sehen sind, als beseelte Räume. Diese sehr sensiblen Bilder zeigen Gefühle, die aus früheren Existenzen, einzig durch ihre spurenhafte Manifestation auf den Tapeten ins Jetzt gerettet wurden. Die leergeräumten Zimmer atmen die Umstände, die Dramen und Freuden früherer Leben, die Verfärbungen auf den Tapeten, konservieren die Stimmungen und Emotionen dieser Leben, gerade so wie ein altes mit Speise-, Wein- und Brandflecken übersätes Tischtuch, oft mehr über die Zeitläufte eines Partyraumes aussagt, als die Fotos die dort geschossen wurden. Die Oberflächen sind die Speicher des gesellschaftlichen Gedächtnisses. Die Texturen der Erinnerung finden sich auf Textilien. Hansjörg Fröhlich |
![]() Kerstin Dollhopf Das Bett, 2010 Mischtechnik: Aquarell, Schmiergelpapier Bleistift, Polychrom, ca. 20 x 32 cm |